Fronleichnam in Piding

 

geschmücktes Fronleichnams-Schaf

Fronleichnam ist in vielen katholischen Gemeinden in Bayern ein hoher kirchlicher Festtag. An Fronleichnam wird das Osterfest - die Auferstehung des Herrn - noch einmal gefeiert. Bei der Prozession wird der Heiland in Gestalt des "Allerheiligsten" durch die Gemeinde getragen.

In Piding gehen bei der Fronleichnamsprozession die Buam als sog. Schäferer-Buam mit. Sie haben ein Tascherl umgehängt und tragen einen, mit Blumen geschmückten, Schäferer-Stock.

Schäfer-Buam mit Fronleichnamschaf An der Spitze der Prozession wird ein Schaf von zwei Buam geführt.
Dieses Schaf stellt bildlich das 
"Lamm Gottes" dar.
Ein Bua stellt Josef , der andere Jesus als guten Hirten dar.

Dieser einmalige Brauch wird in Piding seit Jahrzehnten gepflegt. Anfangs wurde das Schaf von den Bauern geschmückt. Auch die Kleidung für die beiden Schäferer, bestehend aus einem blauen und einem roten Rock sowie einer Silberkappe und einem kleinen grünen Hut wurden angefertigt.
Als aber dann die Zeit kam, in der die Pflege von Brauchtum als "unmodern und lästig" empfunden wurde, drohte der Brauch des "Fronleichnam-Schafes" in Vergessenheit zu geraten. So nahm sich schließlich die einfache Häuslfrau, Maria Flatscher, dieses Brauches an. Sie färbte ein altes Segeltuch blau und rot ein und nähte neue Röcke für die Darsteller des Jesus und Josef. Alljährlich fragte sie bei den Bauern um ein junges weißes Schaf an. Die Suche nach zwei Buam, die die Prozession mit dem Schaf anführen sollten, war auch nicht immer leicht. Sie erhielt oft Absagen mit der Begründung: "Geh, des duat doch heit koa Mensch mehr" oder "Na, do kimm i mia ja bled vor". Sie ließ aber nicht locker, und so fand sie all die Jahre immer wieder zwei Buam, die sich doch bereit erklärt haben.

Maria Flatscher Für Maria Flatscher war der Fronleichnamstag stets mit viel Arbeit verbunden.
Das Schaf musste gewaschen, gebürstet und an das Weisen mit dem Strick gewöhnt werden.
Die Kleidung für die Buam wurde alljährlich gekürzt oder angestückelt. Zudem war es für die Spenzerfrau oberstes Gebot, selber im Festgewand an der Prozession teilzunehmen.
Aktion - Schaf waschen Maria Flatscher ist 1994 gestorben und so kümmern sich nun der Trachtenvorstand Christian Brüderl zusammen mit Burgi Flatscher um das Pidinger Fronleichnam-Schaf.
Brüderl setzt sich sehr für die Erhaltung solcher seltener Bräuche ein, weshalb er die aufwendige Arbeit gerne in Kauf nimmt.

Für die Buam aus der Kinder- und Jugendgruppe ist es mittlerweile eine Ehre, einmal das Schaf bei der Prozession führen zu dürfen.
Hier wird deutlich sichtbar, daß es nicht immer leicht ist, altes Brauchtum zu erhalten und zu pflegen. Oft braucht es schon ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen, Überzeugung für die Sache und viel persönlichen Einsatz.
Gerade in einer Zeit, wo jeder von Völkervereinigung, Globalisierung und Umbruch spricht, wird es mehr und mehr die Aufgabe der Trachtler sein, unsere bayerische Lebensart sowie alte Bräuche gerade auch an den kirchlichen Festtagen zu erhalten und zu leben.


erstellt am 13. Mai 2000
mailto:Annemarie.Haiker@bestnetz.de
© by Annemarie Haiker, Schriftführerin

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