Nachgedacht und aufgespießt:

Der Trachtenverein GTEV D´Staufenecker Piding feierte im August  seinen 100. Geburtstag. Ein Verein, der 100 Jahre lang seine Aufgaben ordnungsgemäß erledigt und sich in den letzten 30 Jahren enorm entwickelt hat. Im Verein werden ca. 40 Kinder und Jugendliche betreut. Die aktive Gruppe besteht aus ca. 25 Mitwirkenden. Eine beachtliche Anzahl, die erst einmal betreut werden muss. 

In Piding ist man in der glücklichen Lage, noch einen Wirt zu haben, bei dem regelmäßig Heimatabende, Theateraufführungen und viele andere Brauchtumsveranstaltungen durchgeführt werden können. Unsere Buam und Dirndln nehmen am Vereins-, Gebiets- und Gaupreisplatteln teil. Veranstaltungen, die längst nicht von allen Vereinen des Gauverbandes I angenommen werden. 

Zur Durchführung des 100-jährigen Gründungsfestes wurde ein Festausschuss gebildet und über die Gestaltung der Festwoche diskutiert. Die Gemeinde Piding besteht aus ca. 5000 Einwohnern. Die zentrale Lage des Ortes und die familienfreundliche Gemeindepolitik haben den Ort in den letzten Jahren wachsen lassen. So gilt es für den Trachtenverein Piding, Brauchtum, die bayerische Lebensart mit deren Sprache und Musik zu erhalten und pflegen und sich dennoch der modernen Entwicklung im Ort zu stellen. Mit der Zusammenstellung des Programms für die Festwoche zum 100-jährigen haben sich die Mitglieder des Festausschusses daher bemüht, allen Einwohnern und Gästen gerecht zu werden. Es sollte für jeden im Ort etwas dabei sein, für Jung und Alt, für Einheimische und Gäste, für Trachtler und „Nicht-Trachtler“. Denn eines war für alle wichtig: Man wollte gemeinsam feiern - es sollte ein Fest der ganzen Gemeinde werden. 

Mit dem Tag der Blasmusik zum Festauftakt konnte der Trachtenverein sein gutes Verhältnis und die hervorragende Zusammenarbeit mit der Musikkapelle nutzen. Die Musiker organisierten diesen Abend für den Verein, der als besonders gelungen und als einmaliges Erlebnis für alle Anwesenden in Erinnerung bleiben wird. Wie uns mehrmals an diesem Abend bestätigt wurde, ist es nicht überall möglich, dass Musikkapelle und Trachtenverein so zusammenarbeiten.
Am Donnerstag zum Tag der Betriebe, Behörden und Vereine haben sich im Vorfeld schon ca. 1000 Besucher angemeldet, so dass
das Festzelt auch an diesem Abend gut gefüllt war und eine gute Atmosphäre entstand.
Am Freitag sollte nun ein Abend für die Jugend in der Gemeinde stattfinden. Nach vielen Überlegungen entwickelte sich die Idee, eine Bügelbierparty, welche regelmäßig bei der Brauerei Wieninger in Teisendorf stattfindet bei uns im Festzelt durchzuführen. Im Sommer unter dem Namen: "Super-Sommer-Single-Party" mit Musik aus der 70/80/90er Jahren. Unsere aktiven Buam und Dirndln waren sofort begeistert und so konnte die Planung für diesen Abend beginnen. Gebietsvertreter Hinterstoißer und Gauvorstand Eicher besuchten eine Festausschusssitzung. Sie wiesen darauf hin, dass der Verein mit dieser Veranstaltung gegen die Gausatzung verstoße. "Man dürfe den Wünschen der Jugend nicht immer gleich nachgeben", so ihre Argumentation. Ferner gaben sie zu bedenken, dass bei solchen Veranstaltungen übermäßig Alkohol, ja sogar Drogen konsumiert würden, dass evtl. randaliert wird und Sachbeschädigungen nicht auszuschließen seien. Zu all diesen Überlegungen sei gesagt: Dieser Abend verlief ohne jegliche Probleme. Das Festzelt war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Die Atmosphäre war sehr gut, alle waren fröhlich und anständig. Nicht nur Trachtler aus der Umgebung, sondern aus allen Ecken des Gauverbandes konnten wir treffen. Alle amüsierten sich hervorragend - auch mit "Nichttrachtlern". 

Weil sich der Verein nicht an die Anweisungen der Gauvorstandschaft hielt, bekam der Festleiter bei der Gauwallfahrt einen Brief überreicht. Darin wurde angekündigt, dass die Gauvorstandschaft aus besagten Gründen am Festabend und Festsonntag nicht teilnehmen wird. Die Gaugruppe wird nicht auftreten und auch die Gaustandarte nimmt nicht am Festzug teil.

Am Festabend wurde Franz Argstatter für 50-jährige Tätigkeit im Verein geehrt. Vom Gauverband I sollte ihm das goldene Gauehrenzeichen überreicht werden, was nun durch den Boykott der Gauvorstandschaft nicht möglich gewesen wäre, doch Festleiter Christian Brüderl übernahm diese Aufgabe. 
Da muss man sich schon folgendes fragen: Das Gauehrenzeichen kann nur überreicht werden, wenn sich jemand 50 Jahre lang aktiv für die Trachtensache bzw. das Theaterspiel eingesetzt hat. Und nur, weil sich die Gauvorstandschaft vom Verein übergangen fühlt, wird eine so "hochwertige" Auszeichnung für diese langjährige Arbeit nicht einmal selber überreicht? Diese Auszeichnung, die laut Gauverband nur an ausgesuchte und besonders verdiente Trachtler überreicht werden kann, verliert hier jeglichen Wert. 

An diesem Festabend wurde auch Hias Häusler für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt. Er gibt seit fast 30 Jahren unentgeltlich Musikunterricht für junge Ziachspieler. Musikanten, die später Plattlerproben, Auftritte der Kinder und Preisplattelveranstaltungen spielen können - alles Veranstaltungen für Trachtler. Auch hier wäre eine gute Gelegenheit gewesen, von Seiten des Gauverbandes einmal vor vielen Anwesenden einen Dank dafür auszusprechen. 

Festleiter und Vorstand Christian Brüderl ist seit 15 Jahren erster Vorstand. Er engagiert sich seither mit ganzem Herzen für den Verein und ist maßgeblich an dessen Entwicklung beteiligt. Für ihn war es besonders wichtig und es tat ihm sichtlich gut, als er merkte, dass gerade durch die Haltung der Gauvorstandschaft die Zusammenarbeit im Verein und in der Gemeinde noch intensiver wurde. Es boten Leute ihre Hilfe an, von denen man dies gar nicht erwartet hätte. Zu den Arbeiten wie Kranzbinden, Bierzelt auf- und abbauen, Kuchen backen, Arbeiten an der Schänke und in der Bar kam eine überwältigende Anzahl an Helfer. Dorfgemeinschaft und Zusammenhalt war lebendig und spürbar. Auch der Zuspruch aus den anderen Trachtenvereinen bestätigte den Festausschuss in seinem Handeln. 

Über die Notwendigkeit einer modernen Veranstaltung im Rahmen einer Trachtenfestwoche kann man geteilter Meinung sein. In ländlicheren Gegenden ist dies sicher weniger notwendig als bei uns, wo der städtische Einfluss schon viel mehr spürbar ist. Eine moderne Veranstaltung nach außen hin unter einem anderen Namen ablaufen zu lassen und auf dem Plakat zu vertuschen, wäre von der Gauvorstandschaft akzeptiert worden, kam für uns aber nicht in Frage. Hier war uns die Glaubwürdigkeit gegenüber unseren Festbesuchern wichtiger. Zum Vorhalt des Gauvorstandes, der Verein wolle an seinem 100-jährigen Fest nur verdienen und richte die Veranstaltungen nur am finanziellen Profit aus sei folgendes angemerkt: Das Festjahr begann mit drei Veranstaltungen, welche auf den 100. Geburtstag hinführen sollten: Das Dreikönigssingen auf dem Johannishögl, ein Dorfball im Fasching und ein Volksmusikabend im Schloss Staufeneck. Alles Veranstaltungen, die genau den Vorschriften des Gauverbandes entsprachen und die mit großen finanziellen Aufwand verbunden waren. Das Schloss Staufeneck bildete einen Rahmen für den Volksmusikabend, der im Festzelt nie zu erreichen gewesen wäre. Für die Kinder- und Jugendgruppe sind Ausgaben für Kleidung, Verpflegung und Startgelder beim Preisplatteln zu bezahlen - alles enorme Ausgaben, angesichts des fehlenden Staatszuschusses und des gestiegenen Beitrages an den Gauverband. 

Das vollbesetzte Festzelt am Festabend spornte alle Mitwirkenden zu besonderen Leistungen an. Besonders haben wir uns über den zahlreichen Besuch von Vereinen aus unserem Gebiet und aus dem übrigen Gauverband gefreut, dies ist keine Selbstverständlichkeit. Der Festabend wurde ausschließlich von Mitgliedern des Jubelvereins gestaltet. Anni Utz übernahm die Gestaltung des Festabends, nachdem der Gebietsvertreter hierfür kurzfristig abgesagt hatte. Ein herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern der Gauvorstandschaft, die trotz Boykottaufruf zu unserem Fest gekommen sind. Dies zeigt uns, dass die Wertschätzung unserer Vereinsarbeit doch nicht bei allen so gering ist, wie seitens der Gauvorstandschaft gewünscht worden wäre.

Am Festsonntag hat es leider immer wieder stark geregnet. Der Festgottesdienst im Festzelt war jedoch sehr feierlich. Ein herzliches Vergelts Gott an unseren Herrn Pfarrer Koller für seine sinnvolle und treffende Predigt. 

Für die Pidinger Trachtler wird dieses 100-jährige Fest mit Sicherheit als ein sehr gelungenes und harmonisches Fest in Erinnerung bleiben, trotz der Missachtung und des Fernbleibens der Gauvorstandschaft. Diese Reaktion wird von uns als völlig unnötig und für viele Gäste und Ehrengäste unseres Festes als unangemessen und unverständlich bewertet. Ein wichtiger Ehrengast formulierte ganz treffend: 100 Jahre vorbildliche Arbeit wegen einer nicht akzeptierten Veranstaltung zu ignorieren sei nicht klug. Es reiche nicht, bei Ansprachen vom Frieden miteinander zu reden und diesen schon im kleinen Kreise nicht mehr anzustreben.


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